
Mein wissenschaftliches Selbstverständnis ist geprägt von einer räumlichen Perspektive auf Gesellschaft. Gesellschaftliche Prozesse vollziehen sich nicht im luftleeren Raum, sondern werden an konkreten Orten erfahrbar, strukturiert und bearbeitet. Städte und Quartiere verstehe ich deshalb als hybride Räume, in denen physische Gegebenheiten, analoge und digitale Praktiken sowie institutionelle Arrangements zusammenwirken. Gebaute Umwelt, soziale Beziehungen, lokale Organisationen, politische Entscheidungen und digitale Kommunikationsräume bilden dabei keine voneinander getrennten Ebenen. Sie beeinflussen sich wechselseitig und prägen die Handlungsmöglichkeiten von Menschen in ihrem Alltag.
Im Zentrum meiner Forschung steht die Trias aus Raum, Migration und Konflikt. Migration begreife ich als einen zentralen Motor gesellschaftlicher Transformation. Sie verändert Städte, Nachbarschaften, Institutionen und soziale Beziehungen und schafft neue Ressourcen und Zugehörigkeiten, kann aber auch bestehende Ungleichheiten und Auseinandersetzungen sichtbar machen. Konflikte verstehe ich nicht ausschließlich als Störung oder Scheitern gesellschaftlicher Ordnung. Sie sind zugleich Indikatoren für Bruchstellen, konkurrierende Ansprüche und notwendige Aushandlungsprozesse. Raum wiederum bildet die Ebene, auf der diese Entwicklungen zusammenlaufen, koordiniert und institutionell bearbeitet werden. Dadurch wird er selbst zu einem relevanten Faktor gesellschaftlicher Ordnung.
Eine besondere Bedeutung kommt in meiner Arbeit dem Quartier und der Nachbarschaft. Quartiere sind weder bloße administrative Einheiten noch unmittelbare Ursachen individuellen Handelns. Sie stellen vielmehr Opportunitäten, Restriktionen und soziale Ressourcen bereit. Menschen setzen sich mit diesen Bedingungen auf Grundlage ihrer biografischen Erfahrungen, sozialen Positionen und verfügbaren Kapitalien auseinander. Nachbarschaften können dabei als Solidarreserve, Informationsraum und alltägliche Normalitätskulisse wirken. Sie können Teilhabe ermöglichen, Belastungen abfedern und institutionelle Zugänge erleichtern. Zugleich stabilisieren sie Ungleichheiten und verstärken Ausschlüsse und Verhaltensweisen, die in anderen gesellschaftlichen Kontexten als abweichend bewertet werden.
Daran schließt meine Forschung zu Segregation und Kontexteffekten an. Schon seit meiner Tätigkeit als Sozialarbeiter interessiert, wie räumlich ungleich verteilte Ressourcen, institutionelle Leistungen und soziale Erwartungen individuelle Lebensverläufe beeinflussen, ohne diese deterministisch festzulegen. Entscheidend ist für mich die Frage, durch welche Mechanismen räumliche Benachteiligung entsteht und wie sie verhindert oder zumindest abgeschwächt werden kann. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf materielle Ressourcen, sondern ebenso auf Informationen, Anerkennung, Netzwerke, Sicherheit und die Erfahrung politischer Handlungsfähigkeit.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Forschung liegt auf der Förderung demokratischer Resilienz. Soziale und räumliche Fragmentierung kann das Vertrauen in Institutionen schwächen, Zukunftspessimismus fördern und populistische Deutungen begünstigen. Dabei sind politische Orientierungen nicht mechanisch aus sozialen Lagen abzuleiten. Entscheidend ist vielmehr, wie Menschen ihre Lebensbedingungen interpretieren, welche Vergleiche sie anstellen und ob sie staatliche und gesellschaftliche Institutionen als erreichbar, gerecht und problemlösungsfähig erleben.
Methodisch verbinde ich quantitative und qualitative Zugänge. Bevölkerungsbefragungen, kleinräumige Datenanalysen und vergleichende Untersuchungen werden mit Interviews, Stadtteilbeobachtungen und partizipativen Verfahren kombiniert. Der Vergleich unterschiedlicher Städte und Quartiere dient dabei nicht nur der Beschreibung lokaler Besonderheiten, sondern der Identifikation übertragbarer Mechanismen.
Meine Forschung ist getragen von einem ausgeprägten Transferverständnis. Denn Wissenschaft soll gesellschaftliche Entwicklungen erklären, zugleich aber auch Orientierungswissen für Kommunen, soziale Organisationen, Politik, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft bereitstellen. Dabei geht es nicht um einfache Patentlösungen, sondern um die gemeinsame Entwicklung kontextsensibler Strategien. Ziel ist es theoretische Präzision, empirische Sorgfalt und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden.
Einen Überblick zu meinen aktuellen Forschungsprojekten gibt es hier.
Zudem bin ich Forschungsdirektor am Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) an der Ruhr-Universität Bochum. Auch dort wirke ich an Forschungsprojekten mit: www.inwis.de